Dort draußen auf dem spanischen Festland zog mit der Nacht die Kälte einher. Sie blickte in die Runde und alle lachten ausgelassen in Gesellschaft jener die sich in dieser Nacht hier am Lagerfeuer niedergelassen haben. Sie erschauderte als sie seine Hand auf ihren Oberschenkel spürte. "Ist dir kalt, dann...", begann er gerade anzusetzen. "Nein, nein. Ich meine, ein bisschen." Er schickte sich an aus seiner Jacke zu schlüpfen, da ergriff sie seine Hand und schaute ihn in seine geheimnisvollen braunen Augen. "Wollen wir vielleicht spazieren gehen?", fragte er nach einem fast zu intensiven Blickkontakt, der sie beinahe wieder aus der Fassung brachte. "Ja, sehr gerne.", antworte sie mit plötzlich heiserer Stimmte, die ihr die Schamesröte ins Gesicht trieb. Sie meinte ein leichtes Lächeln in seinem Gesicht zu erkennen, als er ihr die Hand reichte und ihr hoch verhalf.

Sie liefen die Promenade entlang. Das Meer war still und nur eine leichte Brise Freiheit wehte in der Luft. Sie schwiegen und sie kam sich unheimlich dumm dabei vor. Um dem lächerlichen Schweigen ein Ende zu bereiten entschied sie sich ein Gespräch anzufangen, eines das so beiläufig wie möglich erscheinen solle. "Jetzt ist mir aber wirklich kalt", sagte sie und bereute es sodann wieder. "Oh nein, was tue ich hier nur?", dachte sie, bis sie bemerkte, dass sein Blick auf ihr ruhte und sogleich auch seine Jacke um ihre Schultern. Verdattert blieb sie stehen, ganz im Banne seines Blickes. "Was wird das?", fragte er. "Eine ausgeprägte Liebesbeziehung?", sagte er, was eher wie eine Feststellung klang als ein Satz, um seine anfängliche Frage zu beenden.
Übernächtigt. Umgeben von Stille. Starr vor Einsamkeit. Steige in die Wanne und lasse mich zwanzig -scheinbar unendliche- Minuten von zu warmen Wasser berieseln. Wir haben drei Uhr nachts. Irgendwas ist passiert, wenn ich so aus dem Rythmus gerate. Irgendwas hält mich wach. Ich weiß nur nicht was.

Ich lege mich erschöpft ins Bett. Wärme es mit dem Fön. Meine kalte Haut wird zu Gänsehaut. Es fällt mir schwer die Wärme zu speichern. Nach ein paar Zeilen in einem Buch, lösche ich schließlich das Licht. Und falle in tiefen traumlosen Schlaf.

Morgens um 7.38 Uhr summt mein altes Handy im Regal vor sich hin, als ich entnervt aufstehe, um zu sehen, warum. Meist hab ich es aus. Schlaftrunken trete ich auf das blau leuchtende Display zu. Schließlich durchzuckt es mich, als ich lese was da steht.

Sie hatte herausgefunden, daß es zwei Dinge gibt, die einen Menschen daran hindern, seine Träume zu verwirklichen: der Glaube, sie seien ohnehin unerfüllbar, oder wenn diese durch eine unerwartete Drehung des Schicksalsrades plötzlich doch erfüllbar werden. In solchen Augenblicken bekommt man Angst vor einem Weg, von dem man nicht weiß, wohin er führt, vor einem Leben voller unbekannter Herausforderungen, davor, daß vertraute Dinge für immer verschwinden könnten.
- Paulo Coelho, Der Dämon und Fräulein Prym

Man musste Risiken eingehen, sich für bestimmte Wege entscheiden und andere aufgeben. [...] Das Schlimmste war, zu wählen und sich den Rest des Lebens zu fragen, ob man richtig gewählt hatte. Kein Mensch kann eine Wahl treffen, ohne dabei Angst zu haben.
- Paulo Coelho, Brida

Wir wollen nicht ewig leben, aber wir wollen auch nicht alles Tun und alle Dinge plötzlich jeden Sinn verlieren sehen. Dann zeigt sich die Leere, die uns umgibt.
- Antoine de Saint-Exupéry, Nachtflug

Er haderte mit sich, bis er sich schließlich sagte, es sei eigentlich ganz normal, daß er nicht wisse, was er wolle. Man kann nie wissen, was man wollen soll, weil man nur ein Leben hat, das man weder mit früheren Leben vergleichen noch in späteren korrigieren kann.
- Milan Kundera, Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins


"Vielleicht war auf der Suche nach einem alten Bekannten, jemand, der mich erst mit der Zeit lehrte zu ihm hinaufzuschauen. Jemand, der voller Leben strotzte, was mich seitdem ich ihn kennen lernte stets faszinierte und in seinen Bann zog. Jemand, der immer lieb und freundlich war. Jemand, der mich nicht aufgeben wollte. Jemand, der mir den Text von Karibe con K übersetzte. Jemand, der davon träumte, mir eines Tages etwas mit der Gitarre vorzuspielen.

Vielleicht war ich auf der Suche nach den Worten "du fehlst". Doch da steht jetzt jemand anderer. Verletzt. Stolz. Und dem geht es nicht mehr um mich, sondern nur um das was ich ihm schulde. Da steht jetzt jemand, der nicht nur mich, sondern auch sich selbst verloren hat. Jemand, der mir deutlich macht, "es ist vorbei" und keine netten Gesten mehr zeigt. Jemand, der mir halbherzig Glück wünscht, wo er es viel mehr braucht.

Wer bist du nur?"

Da ist nichts mehr von dir geblieben. Außer einer entfernten Erinnerung. Und Bildern aus Uruguay und Argentinien, die mich heute noch fesseln. Da ist nicht ein kleiner Funken geblieben. Nichts, was ich mehr ehren könnte. Nicht mal ein "Danke" mehr. Du bist so unwirklich geworden und wirfst nicht mal mehr ein Schatten in mein Leben, sowie das ein anderer tut. Dein Dasein wäre unreal, gäbe es keine Fotos. Es ist so, als hätte es dich niemals in meinem Leben gegeben.
Geliebt. Gelebt. Und manchmal ist einfach alles vorbei.
Gedanken. Gefühle. Momente. Und dann fällt man, um sich am Ende in die eigenen Arme zu fallen.
Und neu anzufangen. Oder aufzugeben.